Gekündigt. Frei. Und plötzlich 999 Möglichkeiten.
Die Welt tritt zur Seite für Menschen, die wissen, was sie wollen. Nur: Am Tag nach der Kündigung weißt du es oft nicht. Eine Rolle, die du jahrelang erfolgreich gelebt hast, ist zu Ende. Nicht, weil du gescheitert bist. Sondern weil etwas fertig ist.
Und dann steht sie da, die Freiheit. Neuer Job, Selbstständigkeit, Auszeit, ganz etwas anderes. Alles scheint möglich. Und genau das macht unruhig.
Ich kenne das. Jahrelang Karriere, Unternehmertum, Familie: funktionieren, liefern, weitermachen. Bis ich gemerkt habe: Das bin nicht mehr ich. Ich habe gekündigt und ich wusste nicht, was danach kommt. Zuerst Erleichterung. Dann langsam Unruhe, Zweifel und diese eine Frage: Was kann ich? Und was will ich jetzt wirklich?
Warum viele Möglichkeiten lähmen können
Dass dich 999 Möglichkeiten eher bremsen als beflügeln, ist kein persönliches Versagen. Sheena Iyengar und Mark Lepper haben es in einem bekannten Experiment gezeigt: Ein Marmeladen-Stand mit 24 Sorten zog mehr Neugierige an als einer mit 6. Gekauft haben aber nur rund 3 Prozent, am Stand mit 6 Sorten waren es rund 30 Prozent.¹
Spätere Übersichtsarbeiten zeigen: Große Auswahl lähmt nicht immer. Besonders schwer wird sie, wenn man nicht genau weiß, was man will, und sich die Möglichkeiten schwer vergleichen lassen.²
Warum deine Werte der bessere Kompass sind?
Kennst du deine Werte, wird aus Auswahl Richtung. Kennst du sie nicht, wählst du oft nach außen: nach dem, was erwartet wird oder was vernünftig klingt.
Kennon Sheldon und Andrew Elliot haben das in einer Längsschnittstudie untersucht. Wer Ziele verfolgte, die wirklich zu den eigenen Werten und Interessen passten, blieb eher dran, erreichte mehr davon und fühlte sich danach auch besser.³
Praxisübung: Die kurze Frage zum Reinfühlen?
Nimm dir heute 15 Minuten. Nur für dich. Keine Ablenkung. Kein Handy. Kein Nachdenken darüber, was andere von dir erwarten.
Nur eine einzige Frage: Was sind meine 3 Lebenswerte, die, die nur mir gehören?
Nicht, was du sein solltest. Nicht, was deine Familie, dein Job oder deine Vergangenheit aus dir gemacht haben. Sondern das, was in dir lebt, unabhängig davon, was gerade wegfällt.
Schreib sie auf. Drei Worte. Mehr braucht es noch nicht.
Nicht lösen. Nicht planen. Nur kurz innehalten und spüren, was da kommt.
Die Welt tritt zur Seite, wenn du weißt, was du willst. Nicht immer, aber immer öfter und schneller.
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PS: Meine 3 Lebenswerte: Unabhängigkeit. Ästhetik. Natürlichkeit. Als mögliche Inspiration.
Quellen
Iyengar, S. S. & Lepper, M. R. (2000). When choice is demotivating: Can one desire too much of a good thing? Journal of Personality and Social Psychology, 79(6), 995-1006. doi.org/10.1037/0022-3514.79.6.995
Chernev, A., Böckenholt, U. & Goodman, J. (2015). Choice overload: A conceptual review and meta-analysis. Journal of Consumer Psychology, 25(2), 333-358. doi.org/10.1016/j.jcps.2014.08.002. Dazu: Scheibehenne, B., Greifeneder, R. & Todd, P. M. (2010). Can there ever be too many options? Journal of Consumer Research, 37(3), 409-425. doi.org/10.1086/651235
Sheldon, K. M. & Elliot, A. J. (1999). Goal striving, need satisfaction, and longitudinal well-being: The self-concordance model. Journal of Personality and Social Psychology, 76(3), 482-497. doi.org/10.1037/0022-3514.76.3.482